Freiheitliche Demokratie
und moderne Ökonomie
Interview mit Professor
Hassan Mansoor
Professor der Ökonomie

Frage: Der Aufstieg Ahmadi-nezhad zum
Präsidenten auf einer Welle anti-freiheitlicher Slogans angereichert mit
demagogischen Versprechen grüner wirtschaftlichen Landschaften und "Tischdecken
gefärbt mit Ölgeld" weist auf ein erhebliches Ausmaß von Unklarheit unter den
Geringverdienern im Iran bezüglich des Verhältnisses zwischen den revolutionären
und den repressiven Politiken auf der einen Seite und sozialer und ökonomischer
Degeneration auf der anderen Seite hin. Dabei stellen sich zwei Fragen:
a) a. Was zeichnet die Iranische wirtschaft heute aus?
b) b. Wie würden sie das Verhältnis zwischen dem demokratischen Management eines
Landes und der Lösung seiner ökonomischen Probleme beschreiben?
Professor H. Mansoor: Um genau zu sein, können die
folgenden wenigen ausgeprägten Indikatoren gebraucht werden, um die
Hauptmerkmale unserer AILING Wirtschaft zu definieren:
a. Die iranische Wirtschaft ist unter den unterentwickelten oder den sich
entwickelnden Ökonomien. Seine Position in der Welt kann am besten beschrieben
werden, in dem man das nationale Prokopfeinkommen von $ 2000 mit dem des
Weltdurchschnitts von $ 5000 pro Kopf pro Jahr vergleicht. Natürlich erfasst
dies nicht die sehr einseitige Verteilung des Wohlstands. Trotzdem zeigt dies,
für sich gesehen, den Stand der Unterentwicklung in dem Land.
b. Die iranische Ökonomie ist weitgehend eine vom Staat betriebene Wirtschaft.
Ein Großteil der wirtschaftlichen Aktivität ist unter staatlicher Kontrolle (80
bis 90 % des BIP), ebenso wie einige wichtige Motoren der Ökonomie: die
wirtschaftliche Aktivität ist abhängig vom Budget des Staates während dieses von
den Öleinnahmen abhängt.
c. Die wirtschaftlichen Aktivitäten sind überwiegend von einem "Rentier"
Charakter mit hoher Abhängigkeit vom Öleinkommen. Die derzeitige Regierung
absorbiert das gesamte Öleinkommen in seinem Budget und ist mehr denn je
abhängig von einem unstabilen Energiemarkt, welches ihre Position sehr labil
macht. Der private Sektor ist, auf einen Blick, stark abhängig vom Staat und
seinen Finanzen. Produktive Aktivität ist sowohl riskant und uneinträglich,
während kolossale WINDFALL Einnahmen in archaischem Bazar und durch
Vermittlungen reduziert werden.
d. Dieses auf archaischen Grundmustern basierende System enthält manche modernen
Elemente welche nicht funktionieren. Aber zuallererst ist es imstande, sich zu
reproduzieren: Es wird von externen Quellen gespeist: zum Beispiel haben
modernes Wissen und Produktionstechnik ihre Wurzeln außerhalb dieses Systems und
können nicht intern reproduziert werden. Beispielsweise werden das Internet und
moderne Kommunikationstechnologie nicht von den Mitgliedern dieses Systems
generiert; ohne sie würde das System jedoch nicht funktionieren.
e. Die geringe Qualität des Humanpotentials ist extrem paralysierend. Das
Problem existierte vor der Revolution, wurde aber in den 27 Jahren danach nur
verstärkt. Während der letzten 60-70 Jahre haben Ökonomen nicht aufgehört, die
Bedeutung des Humankapitals zu betonen, besonders seit der epochalen Entdeckung
von Robert Solow dahingehend dass ein überwiegender Teil der Zunahme des
nationalen Wohlstandes von der Qualitätsänderung des Humankapitals und nicht von
der schlichten Zunahme von Kapital und Arbeit erzeugt wird. Seitdem hat das
Konzept des Humankapitals Einzug in die Wirtschaftliche Literatur gefunden und
Ökonomen haben Methoden zu seiner Messung und Evaluierung entwickelt. Trotzdem
leidet die iranische Wirtschaft unter einem niedrigen Stand von menschlicher
Entwicklung. Ein bedeutendes Merkmal des heutigen Irans ist, dass Positionen der
Verantwortung, sei es politische oder wirtschaftliche, anhand Kriterien der
Angehörigkeit und Ideologie und nicht der Kompetenz besetzt werden. Daher die
große Depression, verursacht durch eine der größten Schwemmen von „brain drain“
in der Weltgeschichte.
f. Die iranische Wirtschaft gehört zu den undurchsichtigsten der Welt. Keine
Statistiken können als gegeben hingenommen werden. Jede Information und jeder
Index muss neu definiert werden, um dessen Geheimnis für das nackte Auge des
Betrachters sichtbar zu machen. Zum Beispiel würde die einfachste Statistik über
Inflation den Betrachter in die Irre führen, da sie in keinem Verhältnis zum
wahren Stand der Wirtschaft steht.
g. Ein bedeutendes Merkmal der Iranischen Ökonomie ist ihre Paralyse des
Finanzsektors. Die Finanzen und das Bankenwesen sind am Boden und werden
zunehmend Handlungsunfähig aufgrund von der Dominanz von archaischen und
mittelalterlichen Ideen. Man kann die Liste beliebig fortsetzen, aber die Zeit
gebietet es wohl, hier aufzuhören...
Um zu dem Verhältnis zwischen Freiheit und Ökonomischem Wohlstand zu kommen: man
muss nicht allwissend sein um das Verhältnis zwischen beiden zu begreifen. Ein
Blick auf die Welt genügt: von Nordamerika bis Europa, von Lateinamerika bis
Asien und Afrika sind die freiesten Länder auch die reichsten, während die
rückwärtsgerichteten und despotischen Länder auch wirtschaftlich darben. Von
Luxemburg bis Norwegen, von den Vereinigten Staaten bis zum vereinigten
Königreich und Frankreich, wo die Menschenwürde geachtet wird ist auch die
Wirtschaft produktiv. Im Gegensatz dazu geht es auch der Wirtschaft nicht gut in
Ländern wo die Menschenwürde nicht geachtet wird, unter allen Arten der Diktatur
und des Despotismus, sei es proletarischer, theokratischer oder anderer. Dort
gedeihen Korruption und Armut. Iran leidet heute unter der korruptesten,
despotischsten und degeneriertesten Regierungsform. Despotismus in Verbindung
mit Multipolarismus ist vom Charakter einer Raupe: Dieser Despotismus steht im
Gegensatz zu den objektiven Möglichkeiten der Entwicklung und der Freiheit für
das Land. Wir haben gezeigt, dass das heutige Iran unter der Kategorie von
Nationen sein könnte mit einem Jährlichen Prokopfeinkommen von über $ 10.000.
Diese Möglichkeit war real. Iran hat heute ein Prokopfeinkommen von ca. $ 2000,
hat zahlreiche geschichtliche Möglichkeiten für Entwicklung verpasst und leidet
unter einer Strategiearmut. Die modernen Zeiten basieren auf der Menschenwürde.
Die Gründerväter der heutigen Zeit wie John Locke haben vor 300 Jahren das
Prinzip des Vorrangs des Individuums und seinen Rechten betont. Die moderne
Ökonomie wird durch das Prinzip der Wahlfreiheit des einzelnen definiert, der
Maximierung der Produktivität und der Optimierung der Ressourcen und
Anwendungen. Ohne Zweifel wird ein Land, welches unter Armut leidet, nicht die
primäre Bedeutung von Freiheit und Demokratie unbedingt erkennen. Trotzdem ist
es eine Tatsache, das Freiheit für einen Iraner ebenso notwendig ist wie für
jeden modernen Menschen. Folglich muss der politische Gegenpart zur
individuellen Freiheit - die Demokratie - verwirklicht werden, in der
Regierungen den Willen der Mehrheit repräsentieren und den der Minderheit
respektieren und selbst Gegenstand der ALTERNANCE sind. Dieses Prinzip ist der
Ausgangspunkt der modernen Ökonomie. Moderne Ökonomie und Demokratie sind zwei
Seiten einer einzigen Münze.
- Vielen Dank, Professor Mansoor
Professor Mansoor: Ich danke Ihnen für die Zeit und
Aufmerksamkeit
Newsletter – Nr. 2 Mai 2006
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