Newsletter – Nr. 2


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Referendumsbewegung: eine einführende Darstellung
Die Alternative einer friedlichen Demokratisierung Irans

Die iranische Atomkrise, die militärische Aufrüstung Irans mit Mittelstreckenraketen Shahab 3 sowie die Entwicklung und die geplante Produktion von Langstreckenraketen Shahab 4 und Shahab 5, die Zuspitzung der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen religiösen, politischen und ethnischen Gruppen im Irak, der Wahlsieg der Hamas in Palästina - unter anderem auch Dank der finanziellen Unterstützung Irans, die finanzielle und militärische Hilfe Irans für die Hisbollah in Libanon und nicht zuletzt die antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten, Ahmadinedschad, und seine Holocaust-Verleugnungen durch die geplante, internationale Holocaust-Konferenz und dem internationalen Karikaturenwettbewerb bezüglich des Holocausts, stellen die zivilisierte Welt vor die Frage nach Alternativen zu diesem unberechenbaren Regime. Mit der „Wahl“ Ahmadinedschads verblassten alle Hoffnungen der westlichen Länder auf sanfte und schrittweise Reformen, auf die Öffnung und Liberalisierung der iranischen Politik. Umso überraschender ist diese negative politische Entwicklung, wenn man die gegensätzliche Entwicklung der iranischen Gesellschaft hin zu einer Zivilgesellschaft berücksichtigt. Nach Einschätzung aller international anerkannter Beobachter der Region, ist keine vergleichbare Gesellschaft im Nahen und Mittleren Osten so reif für eine Demokratisierung und den Aufbau einer Zivilgesellschaft wie die iranische. Dennoch scheint diese Gesellschaft nicht in der Lage zu sein, eine eigene politische Alternative zum islamisch-fundamentalistischen Regime hervorzubringen. Es gibt im Iran kein Anzeichen für eine iranische „orange Revolution“ oder für eine „samtene Revolution“ wie in der Ukraine und Georgien. Vor allem kennt die breite westliche Öffentlichkeit keine demokratische Alternative nach der Niederlage der sog. Reformkräfte im Iran um den ehemaligen Präsidenten Chatami.

Der folgende Beitrag versucht dem interessierten Leser, eine kurze Übersicht über eine Bewegung, Referendumsbewegung, zu geben, die sich im Iran aus der Niederlage der Reformbewegung um Chatami vor über acht Jahren schrittweise entwickelt und bisher die größte Unterstützung innerhalb der iranischen Gesellschaft jenseits der islamischen Regierung erlangt hat.

Niederlage der Reformen innerhalb des bestehenden Systems
Die iranische Opposition kämpfte seit über 25 Jahren uneins und zersplittert innerhalb und außerhalb Irans für Freiheit, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Die letzte Hoffnung auf die Reformfähigkeit des islamischen Systems verblasste auf Grund der Untätigkeit des ehemaligen Präsidenten Chatmai und führte zur Enttäuschung innerhalb der Bevölkerung.
Nach dieser Desillusionierung gelangten immer mehr Menschen und politische Gruppen zu der Ansicht, dass nur eine Trennung zwischen Kirche und Staat und eine Säkularisierung der politischen Institutionen des Landes die einzige politische Alternative zu dem gegenwärtigen Klerikerstaat sei. Unter diesen Umständen veröffentlichten im November 2004 acht Menschenrechtsaktivisten und Vertreter der Studentenbewegung einen Aufruf, in dem sie für ein Referendum eintraten, das einen friedlichen Übergang zu einem demokratischen Rechtsstaat im Iran ermöglichen kann (siehe den Text des Aufrufes in dieser Ausgabe).

Veröffentlichung des Aufrufes zum Referendum und massive Unterstützung der Iraner
Die Verfasser des „Aufrufes zu einem nationalen Referendum“, die zum Teil zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Aufrufes im Gefängnis saßen, von denen sich manche weiterhin in Haft befinden, beschrieben in ihrem Aufruf zuerst die katastrophale politische und wirtschaftliche Situation der Gesellschaft und gehen auf die Gefahren für die nationale Eintracht des Landes ein, welche dieses Regime verursacht hat, und fordern anschließend ein freies Referendum unter der Schirmherrschaft der internationalen Organisationen und der Vereinten Nationen. In so einem Referendum sollen die Volksvertreter gewählt werden, die in einem „Rat der Konstitution“ zusammenkommen mit dem Auftrag, eine neue Verfassung auf der Grundlage der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen zu formulieren. Die Verfasser des „Aufrufes zum Referendum“ sehen in dieser Alternative den einzigen friedlichen und gewaltfreien Ausweg, um die iranische Gesellschaft zu demokratisieren.
Daraufhin haben einige Exiliraner eine Website (heute unter www.60000000.info; die 60 Mio. sollen das iranische Volk gegenüber einer herrschenden Klerikerminderheit symbolisieren) aufgebaut und angefangen, Unterschriften für den Aufruf zu sammeln. Der Aufruf wurde binnen weniger Tage von über 35 000 Menschen, darunter bekannte iranische Künstler, Intellektuelle, Journalisten und Oppositions-Politiker unterzeichnet, bis das Regime alle Möglichkeiten der Unterzeichnung mit allen Mitteln, wie Verbot der Website im Iran und ähnlichen Maßnahmen, massiv einschränkte.

Von der Veröffentlichung des Aufrufes bis zum internationalen Kongress in Brüssel
Trotz massiver Verhinderungsversuche des islamischen Regimes haben die Unterstützer des Aufrufes ihre Arbeit fortgeführt. Vor allem die Exil-Iraner gründeten in den meisten westeuropäischen und nordamerikanischen Staaten „Komitees zur Unterstützung der Referendumsbewegung“. Vom 2. bis 4. Dezember 2005 fand schließlich ein „Weltkongress der Komitees zur Unterstützung der Referendumsbewegung“ in Brüssel (Brüsseler Kongress) statt. Auf diesem Kongress wurden verschiedene Beschlüsse gefasst und verschiedene Organe gewählt, die im folgenden Abschnitt kurz dargestellt werden (siehe auch weitere Dokumente der Referendumsbewegung in dieser Ausgabe).

Ergebnisse des Brüsseler Kongresses

  • Verschiedene Dokumente und Beschlüsse sowie eine Abschlussresolution haben die Inhalte des ursprünglichen „Aufrufes zu einem nationalen Referendum“ konkretisiert.
  • Es wurden Ziele, Rahmen- und Aktionspläne zur Unterstützung der Demokratiebewegung im Iran und die Vorstellung ihrer Ziele bei internationalen Organisationen, Regierungen und Parlamenten beschlossen, die sich der Verteidigung und Förderung der Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit verpflichtet fühlen.
  • Wahl von Organen und Organisationseinheiten der Referendumsbewegung, darunter eines aus 15 Personen bestehenden Zentralkomitees, das eine Beobachtungsfunktion über die Aktivitäten der restlichen Organe ausübt.

Bedeutung der Unterstützung der Referendumsbewegung durch demokratische Regierungen

Mit den moralischen und politischen Solidaritätsbekundungen für die Referendumsbewegung würden westliche Länder nicht nur iranische Demokraten bei ihren Bemühungen um einen friedlichen und gewaltfreien Regimewechsel hin zu einem demokratischen und säkularen politischen System auf Grundlage der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen unterstützen, sondern sie würden erheblich zu mehr Sicherheit, Stabilität und Frieden in der Welt, insbesondere in der Region, beitragen. Denn ein demokratischer und friedlicher Iran, der mit der Unterstützung der zivilisierten Welt in die Familie der demokratischen Rechtsstaaten integriert wird, wird nicht bestrebt sein, in den Besitz von Atomwaffen und sonstige Massenvernichtungswaffen zu kommen. Insofern entbehrt ein demokratischer Iran jegliche Gründe für eine Gewaltanwendung und militärische Operation gegen das Land. Ferner wird eine demokratische Wiederherstellung der inneren Sicherheit und der territorialen Integrität Iraks sowie der Prozess der Demokratisierung der irakischen Gesellschaft erheblich schneller zu erreichen sein. Noch entscheidender ist, dass der internationale Terrorismus durch einen Regimewechsel im Iran geschwächt würden, denn Iran als „Zentralbank“ der Terroristen entfällt in diesem Zusammenhang gänzlich. Und nicht zuletzt kann Iran einen wichtigen Beitrag zur Beilegung des Konfliktes zwischen Israel und Palästina leisten. Die Welt ist ohne die islamische Republik Iran bzw. mit einem demokratischen und friedlichen Iran wesentliche sicherer.

Die 25 jährige Geschichte des iranischen Gottesstaates zeigt deutlich, dass dieses Regime sehr wohl unter dem Druck einer vereinten Weltgemeinschaft sogar zu großen politischen Zugeständnissen bereit wäre. Es ist längst an der Zeit mit einer Stimme diesem Regime entgegenzutreten, um es zu demokratischen Veränderungen zu zwingen. Eine westliche Unterstützung der Forderung der iranischen Demokraten nach der Durchführung eines Referendums im Iran könnte sogar dazu beitragen, eine demokratische Entwicklung jenseits von Krieg und Gewaltanwendungen herbeizuführen.



Newsletter – Nr. 1 – März 2006
Referendumsbewegung