Die ernste Bedrohung der
nationalen Sicherheit des Iran durch anti-demokratische Kräfte
Fabian Clausen
Deutschland hat eine besondere moralische Verantwortung für
Israel. Zwar sind die Zeiten, in denen jegliche Kritik aus Deutschland an Israel
verpönt war, lange vorbei, und dies ist angesichts der israelischen Politik, die
von Regierung zu Regierung, von Mauerbau zu Militärschlag zunehmend radikaler
wird und die Situation im Nahen Osten damit weiter eskalieren lässt, auch
unbedingt notwendig. Es bleibt jedoch die Tatsache bestehen, dass es den Staat
Israel in seiner heutigen Form ohne den Holocaust nicht gäbe. In Deutschland hat
man in schauriger Weise Erfahrung mit einem Regime gemacht, dass beim Versuch,
die eigenen Großmachtsambitionen durchzusetzen, spektakulär scheiterte. Im Fall
der Nationalsozialisten setzte man zu lange auf eine Art „Dialog“. Sie wurden
1933 zunächst unterschätzt und nicht so ernst genommen, obwohl die Radikalität
ihrer Gesinnung („mein Kampf“ erschien bereits 1924) hinlänglich bekannt war.
Daher muss die Reaktion auf den Volksverhetzer aus Teheran ein entschlossenes
„wehret den Anfängen“ sein. Bundeskanzlerin Merkel hat auch bereits deutlich
gemacht, dass ein Präsident, der das Existenzrecht Israels infrage stellt von
Seiten Deutschlands in dieser Frage nicht die geringste Toleranz erwarten kann.
Die EU-3 müssen geeint und absolut deutlich auftreten und keinen Zweifel daran
lassen, dass die Zeiten des von wirtschaftlichen Interessen geleiteten
Appeasements vorbei sind.
Deutschland ist im Atomkonflikt mit dem Iran in der
besonderen Verantwortung: es geht um Israel und die Leugnung des Holocaust.
In Deutschland ist es eine Straftat, die bis zu fünf Jahre Gefängnis nach sich
ziehen kann. Mahmud Ahmadinedschad leugnet offen die Existenz des Holocaust und
spricht von der Vernichtung Israels. Er bereitet „wissenschaftliche Konferenzen“
zur Erforschung „des Märchens“, des Holocaust, vor. Angesichts der Äußerungen
des iranischen Präsidenten steht für Deutschland nun die historische
Glaubwürdigkeit auf dem Spiel: Man muss zeigen, dass man aus seiner Geschichte
nicht nur innenpolitisch gelernt hat und derartige Ausfälle unter keinen
umständen tolerieren kann.
Israel ist der Staat, der am unmittelbarsten bedroht wäre, würde der Iran die
Fähigkeit erlangen, Nuklearwaffen herzustellen. Teheran unterstützt unverhohlen
den Terrorismus von Hisbollah und Hamas. Dass über das Regime Nukleartechnologie
in terroristische Hände gelangen und somit auch zum tatsächlichen Einsatz kommen
könnte, ist eine durchaus realistische Möglichkeit. Konkret bedeutet das, dass
für die jahrelang von Europa verfolgte und von Amerikanern und oppositionellen
Iranern viel kritisierte Politik des „kritischen Dialogs“ mit der islamischen
Republik unter diesem Regime kein Platz mehr sein kann. Rückblickend muss man
sagen, dass die große europäische Verhandlungsbereitschaft von der iranischen
Regierung ausgenutzt wurde, die ihre Politik unverändert in Richtung Eskalation
fortsetzte. Ahmadinedschad soll gesagt haben, „die Europäer sind wie kläffende
Hunde. Gibst du ihnen einen Fußtritt, laufen sie davon.“ Der kritische Dialog
wurde zu lange geführt. Europa wurde schlichtweg nicht ernst genommen und immer
wieder mit vagen Zusagen vertröstet, während die gegenseitigen wirtschaftlichen
Beziehungen immer weiter ausgebaut wurden.

Dies gilt umso mehr jetzt, da Teheran die Frist der Sicherheitsratsresolution
hat verstreichen lassen und Ahmadinedschad unmissverständlich sagt, dass das
Atomprogramm weiterverfolgt werde, um am Ende die „süßen Früchte“ zu ernten, wie
Ajatollah Chamenei in der Woche zuvor geäußert hatte (dass diese Früchte nicht
energiepolitischer Natur sind, wird angesichts der enormen Ölvorräte des Irans
deutlich). Der Unterschied zu allen Fristen, die bisher ergebnislos abliefen,
liegt im Falle der Sicherheitsratsresolution nun aber darin, dass sie
völkerrechtlich bindend ist und eine Plattform für die Sicherheitsratsmitglieder
ist, konkrete, von der Weltgemeinschaft legitimierte Sanktionsmaßnahmen
durchzuführen.
Die Palette der möglichen Sanktionsmaßnahmen ist breit: Sie reicht von
Reiseverboten über das Einfrieren von Konten bis zu Handelsbeschränkungen. Von
Letzteren wäre Deutschland selbst zweifellos stark betroffen. Zum einen ist
Westeuropa arm an Energiequellen. Die Erdölverbrauchenden Industrien sind daher
besonders vom Öl Irans abhängig, das hinter Saudi Arabien über die weltweit
zweitgrößten Reserven verfügt. Zum anderen sind die wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen Deutschland und dem Iran sehr eng (sie waren gerade der Grund, die von
vielen als unmoralisch empfundene Politik des kritischen Dialogs überhaupt erst
einzugehen). Nach Angaben des deutschen Industrie- und Handelskammertages
pflegen über 500 deutsche Firmen intensive Handelsbeziehungen mit dem Iran, 17 %
der iranischen Importe kommen aus der Bundesrepublik, die somit der mit Abstand
größte Handelspartner des Landes ist. Wirtschaftliche Sanktionen würden somit
zwangsläufig in Deutschland Auswirkungen haben, ein Opfer welches im Rahmen
einer verantwortungsvollen Politik gebracht werden muss. Es sind die
Sicherheitspolitischen Aspekte, die angesichts des unberechenbaren Regimes im
Vordergrund stehen müssen.
Es
stellt sich natürlich die Frage, wie weit die Situation noch eskalieren wird
oder inwieweit das Regime durch Sanktionen zum Einlenken gebracht werden kann.
Was, wenn ein israelischer oder amerikanischer Präventivschlag ernsthaft
diskutiert würde? Der Sicherheitsrat, der gemäß der UN-Charta eine militärische
Maßnahme allein völkerrechtlich legal beschließen könnte, ist hiervon noch weit
entfernt. Aber klar ist, dass weder Israel noch die USA eine nukleare Bewaffnung
des Iran dulden würden und notfalls militärisch eingreifen werden. Was wäre in
einem solchen alptraumhaften Szenario, das einen enormen militärischen Einsatz
involvieren würde, die Rolle Deutschlands als Verbündeten Israels? Deutschland
hatte gute Gründe, sich dem Irakkrieg zu verweigern. Im Gegensatz zu Irak ist
jedoch die Bedrohung, die vom Teheraner Regime ausgeht, real. Obwohl sich die
Bundesregierung nun zu einer Teilnahme der Bundeswehr im Libanon entschlossen
hat, würde eine offizielle militärische Beteiligung der Bundesrepublik an einer
solchen offensiven Aktion einen zu krassen Bruch mit der anti-militaristischen
Tradition der Bundesrepublik darstellen und wohl nicht infrage kommen.
Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Frage nicht stellt. Es genügt ein Blick auf
das Debakel, dass die Amerikaner zur Zeit im Irak erleben, um sich die
katastrophalen Folgen eines solchen Eingreifens vor Augen zu führen, welches die
Fronten verhärtet und neuen Extremismus und Hass produziert.
Es liegt also alles in den Händen der Mitglieder des Sicherheitsrates, Iran
klarzumachen, dass Sanktionen kommen werden, wenn die Urananreicherung nicht
ausgesetzt wird. Die Europäer sind dabei besonders gefordert. Das Vereinigte
Königreich, Frankreich und Deutschland (die EU-3) müssen absolut deutlich
machen, dass es ihnen ernst ist und man sich nicht mehr hinhalten lassen wird.
Es wird Zeit, die eigene Verantwortung wahrzunehmen.
Referendumsbewegung